Arno Esch-Symposium 2026

Von
Dr. Rolando Schadowski
Florian Rentsch auf dem Symposium in Rostock

Florian Rentsch auf dem Symposium in Rostock am 7.05.2026

Arno Esch, der als junger liberaler Vordenker konsequent für Freiheit, Selbstbestimmung und Chancen eintrat, steht exemplarisch für das Prinzip des individuellen Aufstiegs durch Bildung, Eigenverantwortung und Rechtsstaatlichkeit. Sein Glaube an die Kraft offener Gesellschaften und fairer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bildet eine ideale Brücke zur heutigen Frage: Wie steht es um das Aufstiegsversprechen in Mecklenburg-Vorpommern – für Bürgerinnen und Bürger, für Unternehmen, für Fachkräfte und für jene, die neu zu uns kommen? Das Aufstiegsversprechen gilt für jeden, für Unternehmer und Selbständige genauso wie für Angestellte und Arbeitnehmer. Das Aufstiegsversprechen war und ist das zentrale Element des Erfolgs der sozialen Marktwirtschaft. Aber in einem Land, in dem das Bundeswirtschaftsministerium Anfang 2026 feststellen muss, dass die Dynamik der Wirtschaft verloren gegangen ist, Wachstumsprognosen halbiert werden müssen und tausende Arbeitsplätzte Monat für Monat verloren gehen, muss die Frage nach der Aufrechterhaltung des Aufstiegsversprechens erlaubt sein.

Arno Esch hat sich zumindest in seinen 9 Axiomen zum Neu-Liberalismus, der ersten umfänglichen Darstellung einer liberalen Weltanschauung, nicht weiter zu Fragen der Wirtschaft geäußert. Das hat er seinem Zeitgenossen Karl-Herrmann Flach überlassen, der ebendiese Inhalte ergänzte und sie so in die Freiburger Thesen von 1971 einfließen lies. Das konnte Esch nicht mehr, denn der wurde 20 Jahre zuvor am 24. Juli 1951 in Moskau durch die sowjetische Militäradministration verurteilt und hingerichtet.

So begaben sich die Keynote-Referenten Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und Lars Schwarz, Präsident der Vereinigung der Unternehmerverbände für Mecklenburg-Vorpommern e.V. auf die Spuren von Eschs Vermächtnis und stellten ihre Analysen zur Ausgangssituation der wirtschaftlichen Lage in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern dar. Dabei skizzierten sie die wirtschaftliche Situation von Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern, stellten aktuelle Herausforderungen und strukturelle Defizite und ungenutzte Potenziale (Fachkräfte, Branchen, Bildung, Migration, Forschung und Entwicklung) heraus. Im Ergebnis wurde deutlich, dass der deutsche Sozialstaat und die massiven Investitionen in die Infrastruktur nur durch eine starke wirtschaftliche Basis ermöglicht werden. Das Aufstiegsversprechen bedarf keiner Aufstiegsbremse, sondern braucht Wirtschaftswachstum.

Das griff die nachfolgende Podiumsdiskussion unter der Leitung von Rene Domke, Vize-Bürgermeister und Bausenator in der Hansestadt Wismar auf. Lars Schwarz sowie Jessica Mendle, Geschäftsführende Gesellschafterin der Ora Cura Unternehmensgruppe Greifswald und Prof. Jakob Schirmer, Professor für öffentliches Recht an der Hochschule der Polizei und öffentlichen Verwaltung in NRW widmeten sich der Frage, wie wir das Aufstiegsversprechen in MV erneuern können? Das Aufstiegsversprechen besteht immer noch. Aber es ist „ein Kulturwandel notwendig“ (Prof. Schirmer) hin zu einer liberalen Agenda; Wirtschaftswachstum nicht durch staatliche Mikrosteuerung und Subventionen, sondern hin zu mehr Freiräumen für Unternehmer und Gründer. Das brachte den Beifall des Publikums an diesem Abend ein und das hätte mit Sicherheit auch den Beifall von Arno Esch gefunden.

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion zum Symposium in Rostock: Lars Schwarz, Jessica Melde, Prof. Jakob Schirmer, Rene Domke (v.li.)